Landscaping (AT)

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Den Blick über den Gartenzaun werfen
Aktualisiert: vor 6 Minuten 9 Sekunden

Landschaftsarchitektur vs. Permakultur-Design

Mo, 07/26/2010 - 17:03

(c) www.rainbowvalleyfarm.nz.co

Pomali … das steht für langsam, gemütlich … es steht aber auch für das Wohnprojekt, an dem ich nun schon seit über einem Jahr mitgestalte. Seit Anfang des Jahres bin ich im Zuge dieses Projekts gemeinsam mit meinem Kollegen Franco Baumeler auch mit der Planung der Außenräume betraut. Um einen auch für den Bauträger geeigneten rechtlichen Rahmen zu bilden, konnten wir die Landschaftsarchitekten von zwoPK mit ins Boot holen.

Bereits nach wenigen Wochen hat sich mir gezeigt, dass die ganze Konstellation schwierig ist. Mir war nur nicht gleich klar, woran das gelegen ist. Es war nur spürbar, dass wir einem Zeitplan nachhecheln, der eigentlich gar nicht so eng erschien. Es hat lange gedauert, bis mir klar geworden ist, dass wir bisher einige zentrale Unterschiede zwischen Landschaftsarchitektur und Permakultur-Design nicht deutlich genug kommuniziert haben.

Das letzte Gemeinschafts-Wochenende hat mich wieder etwas stärker in die Gruppe geholt. Ich habe mich in den letzten Wochen etwas außerhalb gefühlt. Dieses Gefühl entstand durch Zurufe aus der Gruppe, aber auch durch meine derzeitige Entwicklung. Es ist schon faszinierend wie manche Inputs einen erneut unglaublich in Schwingung bringen können.

Für mich gibt es einen ganz zentralen Unterschied zwischen einer landschaftsarchitektonischen Planung von Außenräumen und einer Gestaltung bzw. einer Planung nach Permakultur-Prinzipen:

  • landschaftsarchitektonische Außenraumplanung: Es gibt eine klar umrissene Fläche und ein Budget und dazu Auftraggeberwünsche, die im Detail sehr unterschiedlich sein können. Am Ende der Planung und ev. Ausführung (je nach Auftrag) steht ein fertiges Produkt zur Verfügung, das sich vor allem durch den Wuchs der Pflanzen dann verändert. Die meisten anderen Bereiche der Planung (insbesondere befestige Flächen, beauftragte Bauwerke, …) sind in ihrem Zustand fertig und verändern sich weitgehend nur noch durch aktive äußere Einwirkung.
  • Permakultur-Design: Die Planung nach Permakultur-Prinzipien basiert auf Beobachtungen einerseits des Planungsgegenstandes, aber auch der Umgebung, der Menschen und der Möglichkeiten Vorort. Das Design, das danach erstellt wird ist eine gedankliche Vorwegnahme einer Entwicklung des Planungsgegenstandes auf Basis von Zonierung und Segmentierung, ausgehend meist von einem Gebäude oder einer menschlichen Siedlung. Vorarbeiten für diese Entwicklung werden nur insofern gemacht als dass auf Basis der Zonierung und Segmentierung Bereiche festgelegt werden, die eine gewisse Entwicklung unterstützen. Weiters muss bei den meisten Projekten durch die Veränderungen aufgrund der Gebäude und insbesondere der weiteren Umgebung (auch Felder, Wiesen, Wälder, die meist nicht natürlich bewirtschaftet werden), ein Grundzustand hergestellt werden, der eine Entwicklung nach den Prinzipien der Permakultur ermöglicht.

(c) pixelio.de tokamuvi

Was ist nun in den letzten Monaten bei der Planung für Pomali passiert?

Nach einer ersten Anstrengung zur Zonierung und Segmentierung durch Franco und mich sind wir ganz einfach in einer landschaftsarchitektonischen Planung “steckengeblieben”. Für die Landschaftsarchitekten und den Bauträger hat sich so ein “normales” Projekt dargestellt und ihr Ruf nach Details und Inputs hat uns angetrieben.

Eine Unterscheidung ist noch wichtig in Bezug auf die permakulturelle Gestaltung.

  • PK-Elemente: Sind einzelne Elemente, die im Rahmen eines Permakultur-Designs so gruppiert werden, dass sie sich gegenseitig unterstützen und somit das System erhalten
  • PK-Design ist ein Gestaltungeprinzip, das Prinzipien der Permakultur, die sehr stark durch Bill Mollison und David Holmgreen sowie zahllose andere geprägt wurden, in einer Planung umsetzt und dazu die einzelne PK-.Elemente miteinander in Beziehung bringt

Soweit vorweg ein paar Gedanken. In einem Email habe ich nun die auftraggebende Gruppe vom Verein “Miteinander Zukunft bauen”, der das Projekt Pomali umsetzt, über meine Gedanken in Kenntnis gesetzt. Die Frage sich dabei stellt ist Folgende:

Wie können wir einen Außenraum planen, der entstehen kann/darf/soll, wenn die Rahmenbedingungen des Auftrags einer klassischen Landschaftsarchitektur entsprechen? Dazu muss ich erwähnen, dass der Verein nur indirekt der Auftraggeber ist. Offiziell ist der Bauträger Auftraggeber der landschaftsarchitektonischen Planung. Zwischen Bauträger und Verein wird ein Übereinkommen ausgearbeitet, das dem Verein weitreichende Bauherrenrechte zugestehen soll. Ein Weg, der schon zeigt, dass auch der Bauträger hier sehr flexibel und offen für neue Ideen ist.

Die vorhin erwähnten Rahmenbedingungen sind in einer sogenannten Bau- und Ausstattungsbeschreibung (BuA) festgeschrieben. Ein Werk, das weitgehend allgemeinen Normen entspricht und somit ein Standardgebäude bzw. einen Standardaußenraum herstellt. Für unsere Zwecke stellt sich dieser Standard als sehr einschränkend dar, denn das Ergebnis dieses Standards ist eine landschaftsarchitektonische Planung, die einer Gewährleistung und Haftung standhält, wie jeder andere Siedlungsfreiraum auch. Natürliche Umgebung kennt dieser Standard nicht. Nicht versiegelte Flächen sind nur auf untergeordneten Flächen und Wegen zulässig. Baumaterialien kommen von offiziellen Anbietern und nicht vom Bauern von nebenan, der gerade ein einsturzgefährdetes Gebäude abgetragen hat. Ein durch eine Ausschreibung gefundener Auftragnehmer (bspw. ein Pflasterer) könnte dafür nie die Haftung übernehmen. Das nur ein paar Beispiele zu nennen.

Es erscheint also sinnvoll zu aller Erst  die BuA und damit auch das Bild vom Freiraum, das der Normalverbraucher und die Fachplaner haben aus den Angeln zu heben und so dem Verein Freiräume zu schaffen. Das geht, meiner Meinung nach, auf 2 Arten:

  1. Eine Vereinbarung mit dem Bauträger, dass die BuA für den Freiraum von Pomali nur in den wichtigsten Punkten (Funktionsfähigkeit und Sicherheit) gilt. Dazu braucht es Garantien, dass der Verein bei einer eventuellen Auflösung  einen Standard-Freiraum herstellen und finanzieren wird. (eine klassische “Was wäre wenn?” – Forderung). Es ist zu hoffen oder fast anzunehmen, dass der Standard in einigen Jahren sich eher unserem Bild eines Aussenraumes annähert, sodass eine Wiederherstellung einfach wäre.
  2. Wir suchen Wege, wie wir das Budget für den Außenraum weitestgehend aus dem Baubudget des Bauträgers herausnehmen und haben damit auch die BuA nicht als Vorgabe. Ob der Bauträger darauf eingeht, weiß ich noch nicht, aber es finden sich Wege.

die Lösung 2 sehe ich für mich als die sinnvollere. Welche Möglichkeiten hätten wir damit.

  • Wir können die Standards und Ausbaustufen als Verein weitestgehend selbst bestimmen.
  • Materialien, Angebote … von uns nahestehenden Personen oder Gelegenheitskäufe können unbürokratisch angefragt werden
  • wir haben viel Entwicklungsspielraum

Was ist noch dazu zu erwähnen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

  • Wir müssen das Geld auftreiben, denn die Finanzierung kann nicht über die Miete ablaufen. Dennoch können wir für uns die gleichen Kosten festlegen, denn das Gesamtbudget muss dadurch ja nicht steigen
  • Eigenarbeit wird erforderlich sein. Möglicherweise auch die eine od. andere Eigenleistung in monetärer Sicht.
  • Wir werden keinen “fertigen” Freiraum haben und es wird Provisorien und Veränderungen geben.

Ich bin schon gespannt, wie für ein derartiges Projekt ein rechtsgültiger Vertrag zustande kommt, der beide Seiten, den Bauträger und den Verein, zufrieden stellt. Es ist für den Bauträger sicher nicht leicht hier neue Wege zu beschreiten, denn auf den ausgetretenen Pfaden lässt es sich durchaus sehr bequem gehen.

Zur Gegenüberstellung von Landschaftsarchitektur und PK-Design möchte ich auch noch ein paar Worte sagen. Als ausgebildeter Landschaftsplaner/-architekt bin ich hier meiner Zunft ja durchaus verbunden. Die Darstellung von mir beruht auf Beobachtungen vieler Projekte in den letzten Jahren, insbesondere Plätzen und Siedlungsfreiräumen. Ich spreche hier ganz bewusst von preisgekrönter klassischer Landschaftsarchitektur. Für mich entwickelt sich diese zunehmend zu einer Design-Disziplin, die Natürlichkeit maximal als ein “schickes Element” einplant. Ich möchte damit nicht werten. Viele der Projekte sehen durchaus schön aus. Mir geht es um die Diskussion zwischen künstlichen und natürlichen Freiräumen. Mir ist dabei auch klar, dass es PlanerInnen gibt, die ganz andere Wege beschreiten und in und mit ihrer Planung langfristige Entwicklungen ermöglichen.

Ich möchte hier keinesfalls von richtiger oder falscher Planung sprechen. Vielmehr geht es mir darum zu zeigen, dass die Rahmenbedingungen für Permakultur-Design insbesondere im öffentlichen bzw. halböffentlichen Bereich nicht sehr günstig und grundsätzlich Projekte nach PK-Prinzipien daher nur durch weitreichende Ausnahmen möglich sind.

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Get Active Jugendforum

Fr, 07/23/2010 - 07:28

Nachhaltiges Handeln muss “normal” werden … Es sollte nicht mehr gesondert darauf hingewiesen werden, dass etwas bio-öko-sozialgerecht ist, sondern, wenn etwas Gefahren in sich birgt. Nachhaltiges Handeln muss zu Alltagshandeln werden. Wenn man möchte, dass Menschen ihre Gewohnheiten ändern, dann hat man einen langen steinigen Weg vor sich. Doch wenn man von Beginn an zukunftsfähig handelt, dann braucht man später nicht umlernen.

Das Get Active Jugendforum setzt genau dort an. Wenn Kinder und Jugendliche bereits mitbekommen, dass sie Teil der natürlichen Umwelt sind, dann agieren sie auch so.

“Gemeinsam sind sie mehr als nur die Summe der einzelnen Teile. Jede und jeder von uns ist Experte im Bereich „Leben auf dieser Welt“ und gemeinsam verfügen wir über mehr als 1000 Jahre wertvolle und einzigartige Lebenserfahrung.”

Das Jugendforum findet vom 17.-22. August in Eisenerz (Steiermark) statt, eine Stadt, die selbst in den letzten Jahren einen sehr spannenden Wandel durchmacht

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Mit dem Rad zum Konzert

Do, 07/08/2010 - 14:55

The Ginger Ninjas auf ihrer Tour durch Europa

Dass man mit dem Fahrrad zu einem Konzert fährt ist ja grundsätzlich nichts besonderes … als Zuschauer!

Doch wer kennt schon eine Band, die mit dem Fahrrad zum Konzert fährt. Die ihr Equipment mit dem Fahrrad transportiert und dann noch beim Konzert die Generatoren für das Klangerlebnis mit Fahrrädern antreibt: The Ginger Ninjas

Eine geniale Idee, die in den USA geboren wurde und jetzt auch nach Europa kommt. Mit Ihrer European Bicycle Musical Tour gastieren The Ginger Ninjas am 31.7. in Wien. Wo? … Die Website sagt: “All over Vienna” … Details könnt ihr hier in Kürze lesen. Für München gibt es da schon deutlichere Angaben: 22. und 23.7. bei der Bike Expo.

Die Tour von The Ginger Ninjas trägt ursprünglich den Titel “The Pleasant Revolution” und warum Sie das machen beschreiben sie u.a. so:

We Ginger Ninjas have a different hope, a hope of two-wheeled freedom and radical lifestyle evolution.(ganzer Text)

Diese “andere Hoffnung” kann ich nur teilen. Was Radiohead oder U2 mit einer CO2-neutralen (=kompensierten) Tour begonnen haben setzen Ginger Ninjas konsequent und genial fort.

Ach ja, und bevor ichs vergesse. Die Musik ist zudem noch äußerst hör- und tanzbar. Wir sehen uns beim Konzert … mit dem Bike, eh klar!

UPDATE 2010-07-28: Das Konzert wurde auf den 7.8. 2010 verschoben. Location ist mmer noch nicht bekannt. Das Konzert wird gratis sein, Spenden willkomen!

UPDATE 2010-08-02: Details zu den Konzerten in Wien sind nun bekannt. Wie nicht anders zu erwarten finden die Veranstaltungen im Rahmen von Critical Mass statt. Dort sind auch mehr Details zu finden.

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Die Medien werden darüber nicht schreiben

Mo, 06/14/2010 - 10:28

(c) momosu | Pixelio

Wir wissen alles, was in der Welt passiert, oder? Die Medien lassen keine Katastrophe aus. Man muss dafür noch nicht einmal einen Fernseher besitzen oder eine Zeitung kaufen. In Wien genügt die Fahrt mit einem öffentlichen Verkehrsmittel und man wird von 2 Gratisblättern österreichbekannter Boulvardzeitungen überschwemmt mit bluttriefenden Taten aus aller Welt und nächster Umgebung. Es entgeht uns nichts …. oder doch? Schon einmal von Joanna Macy gehört, von Tiefenökologie und dem großen Wandel.

Letzte Woche nahm ich mit der ganzen Familie an der Konferenz “Inseln im Chaos” des Holon-Instituts in Lindenberg im Allgäu teil um Joanna Macy und ihre Message zu hören und zu fühlen, was derzeit wirklich in der Welt passiert. “Die Medien werden nicht darüber berichten!”, waren einige ihrer ersten Worte. Damit hat sie nicht die Konferenz selbst gemeint. So etwas ist nicht sensationell genug für unsere “Qualitätsmedien”. Ist auch nicht wichtig. Wichtiger und für Medien dennoch genau so uninteressant wie die Konferenz ist aber das Thema das Joanna Macy als die dritte große Revolution der Menschheit bezeichnet: Nach der Sesshaftwerdung in der Steinzeit und der industriellen Revolution, stehen wir nun vor einer Weiteren. Einer bei der es um unser eigenes Überleben geht, der ökologischen oder Nachhaltigkeitsrevolution. OK, jetzt werden sich einige denken, nicht schon wieder das. Das ist doch nichts neues und nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Die Welt wird schon nicht untergehen und wir schrauben eh schon ein bisschen hier und da herum. “Des wiad schon wida! Keine Panik!”, blablabla,… Doch Joanna Macy bringt es auf den Punkt, worum es geht. Auch mit dem Herumschrauben bleibt ein Paradigma unhinterfragt: Wachstum. Der Beginn der großen Krise ist kaum 2 Jahre her und schon wird wieder vom nötigen Wirtschaftswachstum geredet, ohne dem nichts geht. Die Wahlen zumindest im deutschsprachigen Raum aber auch in England und vielen anderen Ländern werden von Konservativen, liberalen oder gar Rechtsaussen Parteien gewonnen, weil Sozialisten und Linke nichts, aber auch gar nichts anzubieten haben (zumindest in Österreich). “Wachstum in einem System (unsrer Welt), das nicht wächst kann nicht funktionieren. Das versteht ein Kind spätestens mit 8 Jahren.”, so Joanna Macy weiter. Einen einzigen Faktor als Maßstab für das Funktionieren eines Systems zu wählen und diesen dann auch noch konstant wachsen sehen zu wollen, kann nur zum Kollaps führen. Namhafte Ökonomen nennen dieses System daher schon Selbstmordsystem.  Doch die Medien werden das nie schreiben. Damit kann man kein Geld verdienen.

Doch der große Wandel ist im Gange. Alle, die hier hergekommen sind (immerhin 190 Menschen allen Alters) wissen und spüren das. Der große Wandel hin zu einem lebenserhaltenden System. Dieser Wandel sei begleitet von einer großen Unsicherheit, so Joanna Macy, Doch diese Unsicherheit führt dazu, dass wir zu unseren besten Eigenschaften, zu einer großen Stärke finden. Wer ist schon motiviert, wenn er/sie hört: “Es wird alles gut werden! Mach dir bloß keine Sorgen!”? Engagement wird dadurch nicht gefördert. man lehnt sich zurück und lässt sich berieseln. Und genau das machen sie dann alle, Medien, Politik und Wirtschaft; “… die Lösung ist so einfach, überlasst nur uns das Suchen danach!”

Der Große Wandel” (The great Turning) begleitet uns die ganze Woche. Doch nicht nur dieser. Es wird auch deutlich, dass der große Wandel, die “dritte Revolution” eines Systems begleitet wird von einem gewaltigen Zusammenbruch. Eine erste Ahnung davon haben wir mit der Finanz- und Wirtschaftskrise bereits mitbekommen.

Diese “Vorhersagen” hören sich für einige nun vielleicht wie ein Wetterbericht oder die Prophezeiungen eines Sektenführers an :-) und sind schwer fassbar oder führen einfach zu belächelnden Reaktionen über “ewig Gestrige”. “Mach dir darüber blos keine Gedanken. Es wird schon nicht so schlimm!” … Diese Sorge geht jedoch in Lindenberg keineswegs um. Niemand hier glaubt an Weltuntergang oder dergleichen. Ganz im Gegenteil werden wir dafür sensibilisiert, dass wir den Niedergang des alten Systems begleiten und es behutsam zu einem Ende führen müssen. Denn die kommende oder im Gange befindende Revolution substituiert das alte System nicht einfach. Es wird Veränderungen geben, die manche nicht einfach mitgehen können/wollen, weil sie ihr Weltbild einfach nicht fassen kann, sie dadurch große Verluste vermuten. Diese Menschen, dieses System muss begleitet und behutsam und langsam zu einem guten Ende gebracht bzw. ins neue System übergeführt werden. Gleichzeitig muss natürlich das neue System aufgebaut werden und wir sind schon mitten drin, auch wenn wir es vielleicht nicht wahrnehmen.
3 Dimensionen sind es dabei, die wir betrachten müssen:

  1. Aktionen setzen
  2. Neue Strukturen/Wege aufbauen und beschreiten
  3. Bewusstseinsänderung

1. Aktionen setzen
Diese Dimension hat mich sehr stark an die Diskussion über Ökos 1.0 und Ökos 2.0 erinnert. Aktionen/Protest/Demos beurteilen viele als nicht mehr zielführend. Demos, Besetzungen und dgl. werden als veraltet bezeichnet und nicht selten belächelt. Gerade diese Aktionen sind aber sehr wichtig. Nicht nur sind sie es, die es tatsächlich immer wieder in die Medien schaffen, sondern sie sorgen auch für die Erhaltung vieler Ökosysteme oder Strukturen und geben den Menschen ein Gesicht, die nicht mit deren Zerstörung einverstanden sind. Wir können sie erhaltende Aktionen nennen. Es braucht dazu keine neuen Medien oder Techniken. Ein Gefahrenguttransport, der bereits auf dem Weg ist, wird immer noch am besten gestoppt indem man Straßen blockiert und sich an Fahrzeuge kettet. Eine Facebook-Gruppe oder Barcamps können das nicht bewirken. Sie können helfen zu mobilisieren oder die Leute zusammenzubringen um innovative Ideen zu entwickeln. Zum Verhindern braucht es aber Gesichter und Taten. Die “alten Hippies” der Öko 1.0 Szene und alle, die ihnen gefolgt sind methodisch und inhaltlich, sind dafür genau die Richtigen.

2. Neue Strukturen und Wege
Dazu gibt es zahllose Beispiele. Insbesondere, wenn man unternehmerische Aktivitäten oder Technologien betrachtet. Dünn wird es in der Politik oder in der Wirtschaft, also auf den höheren Ebenen. Neue Wege und Strukturen bedürfen aber genau dieser Änderungen. Es braucht dazu große Vordenker und längere Perspektiven. Quartalsberichte und ein denken in Funktionsperioden gefährden derartige Visionen und führen zu kurzfristigen Lösungsansätzen wie sie im Jahr 2008/09 zahllos angeboten wurden.

3. Bewusstseinsänderung
Diese ist einerseits die Basis für neue Strukturen und Wege, andererseits aber auch die Garantie für eine dauerhafte Veränderung. Es muss möglich sein neue Gewohnheiten zu etablieren, nachhaltiges Handeln muss der Normalzustand sein. Es darf keine Anstrengungen hervorrufen, die Menschen nicht zu “Sonderlingen” oder “Linken” machen. Jeder Einkauf, jede Urlaubsreise muss automatisch CO2 neutral und fair sein, ohne dass man sich dafür extra engagieren muss.
Gleichzeitig muss aber auch im Bewusstsein der Menschen verankert sein, dass wir nur auf einer Welt leben, dass Ressourcen endlich sind und irgendwann Menschen nicht mehr unter Ausbeutung und Androhung von Gewalt für andere arbeiten müssen. JedeR, der/die diesen Schritt schon gegangen ist, weiß, dass auf der anderen Seite des Berges genauso ein gutes Leben, Genuss und Freude warten.

Joanna Macy beschreibt in ihrem Ansatz 4 Schritte, die wir in einer Spirale immer wieder durchschreiten müssen. Die Konferenz “Inseln im Chaos” orientiert sich demnach auch an diesen Schritten:

1. Dankbarkeit
2. Den Schmerz um die Erde (und deren Zerstörung) ehren
3. Die Welt mit anderen Augen sehen (“Deep Time”)
4. Weitergehen

Insbesondere die ersten beiden Schritte sind diejenigen, die in unsrer heutigen Gesellschaft am wenigsten beachtet bzw. praktiziert werden. Ja, wir lernen unseren Kindern bereits in frühesten Jahren immer “schön bitte und danke” zu sagen. Doch wozu sagen sie bitte und danke. Zu Dingen und Aktionen, die sie von anderen Menschen bekommen. Nicht selten sind das Dinge, die eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollten, wie Essen und Trinken und nicht selten Danken sie damit Menschen, die ihnen eigentlich verpflichtet sind oder hierarchisch überlegen fühlen bzw. auftreten. Ganz anders wird diese Dankbarkeit im Buddhismus oder in verschiedenen indigenen Kulturen praktiziert. Genau um diese Dankbarkeit geht es dann auch bei Joanna Macy, um die Dankbarkeit an allem Leben das uns umgibt und das unser Leben überhaupt erst ermöglicht. Auch viele andere Religionen praktizieren diese Dankbarkeit und uns ist vermutlich das Beten bspw. vor dem Essen am nächsten (wenngleich man hier immer häufiger ein Bitten oder gar ein Fordern nach mehr hört).

“Den Schmerz um die Welt ehren” hingegen ist eine Praxis, die bei uns keinerlei Tradition hat. gerade in dieser Praxis habe ich bei dieser Konferenz aber die meiste Kraft geschöpft. Eine Übung, die uns dazu angeboten wurde ist ein “Wahrheits-Mandala”. Bei diesem gehen die TeilnehmerInnen nacheinander in die Mitte des Kreises und lassen ihrem Schmerz freien Lauf. Wut, Angst, Ohnmacht, Sorge und Trauer bekommen so Raum und eine Stimme. Die anderen TeilnehmerInnen, die im Kreis rundum sitzen oder stehen hören zu und bilden durch ihre Anwesenheit einen Kessel, der diesen Schmerz hält. JedeR TeilnehmerIn wird so gehalten und am Ende durch die Worte “Wir hören dich!” oder “Wir sind bei dir!” gestärkt. Dieser Ausdruck des Schmerzes, den wir alle in uns tragen, ist unglaublich kraftvoll und geht sehr tief. Leider gibt es viel zu wenige Möglichkeiten ihm in derartiger Umgebung den gebührenden Platz zu geben.

Das Thema Tiefenökologie ist tief in mich eingedrungen. Es fügt sich wie ein fehlendes Puzzleteil an einer wichtigen Stelle in ein Bild ein, das vor meinen Augen seit einiger Zeit entsteht. Es zeigt mir auch, dass ich noch immer auf einer Reise in einem Labyrinth bin dessen Mitte ich noch nicht kenne, die ich aber mit größter Freude und der Gewissheit, dass ich irgendwann ankommen werde, ansteuere. Mit Joanna Macy habe ich auf dieser Reise nun eine Begleiterin, die viel Kraft Klarheit gibt.

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