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Landschaftsarchitektur vs. Permakultur-Design

Landscaping (AT) - Mo, 07/26/2010 - 17:03

(c) www.rainbowvalleyfarm.nz.co

Pomali … das steht für langsam, gemütlich … es steht aber auch für das Wohnprojekt, an dem ich nun schon seit über einem Jahr mitgestalte. Seit Anfang des Jahres bin ich im Zuge dieses Projekts gemeinsam mit meinem Kollegen Franco Baumeler auch mit der Planung der Außenräume betraut. Um einen auch für den Bauträger geeigneten rechtlichen Rahmen zu bilden, konnten wir die Landschaftsarchitekten von zwoPK mit ins Boot holen.

Bereits nach wenigen Wochen hat sich mir gezeigt, dass die ganze Konstellation schwierig ist. Mir war nur nicht gleich klar, woran das gelegen ist. Es war nur spürbar, dass wir einem Zeitplan nachhecheln, der eigentlich gar nicht so eng erschien. Es hat lange gedauert, bis mir klar geworden ist, dass wir bisher einige zentrale Unterschiede zwischen Landschaftsarchitektur und Permakultur-Design nicht deutlich genug kommuniziert haben.

Das letzte Gemeinschafts-Wochenende hat mich wieder etwas stärker in die Gruppe geholt. Ich habe mich in den letzten Wochen etwas außerhalb gefühlt. Dieses Gefühl entstand durch Zurufe aus der Gruppe, aber auch durch meine derzeitige Entwicklung. Es ist schon faszinierend wie manche Inputs einen erneut unglaublich in Schwingung bringen können.

Für mich gibt es einen ganz zentralen Unterschied zwischen einer landschaftsarchitektonischen Planung von Außenräumen und einer Gestaltung bzw. einer Planung nach Permakultur-Prinzipen:

  • landschaftsarchitektonische Außenraumplanung: Es gibt eine klar umrissene Fläche und ein Budget und dazu Auftraggeberwünsche, die im Detail sehr unterschiedlich sein können. Am Ende der Planung und ev. Ausführung (je nach Auftrag) steht ein fertiges Produkt zur Verfügung, das sich vor allem durch den Wuchs der Pflanzen dann verändert. Die meisten anderen Bereiche der Planung (insbesondere befestige Flächen, beauftragte Bauwerke, …) sind in ihrem Zustand fertig und verändern sich weitgehend nur noch durch aktive äußere Einwirkung.
  • Permakultur-Design: Die Planung nach Permakultur-Prinzipien basiert auf Beobachtungen einerseits des Planungsgegenstandes, aber auch der Umgebung, der Menschen und der Möglichkeiten Vorort. Das Design, das danach erstellt wird ist eine gedankliche Vorwegnahme einer Entwicklung des Planungsgegenstandes auf Basis von Zonierung und Segmentierung, ausgehend meist von einem Gebäude oder einer menschlichen Siedlung. Vorarbeiten für diese Entwicklung werden nur insofern gemacht als dass auf Basis der Zonierung und Segmentierung Bereiche festgelegt werden, die eine gewisse Entwicklung unterstützen. Weiters muss bei den meisten Projekten durch die Veränderungen aufgrund der Gebäude und insbesondere der weiteren Umgebung (auch Felder, Wiesen, Wälder, die meist nicht natürlich bewirtschaftet werden), ein Grundzustand hergestellt werden, der eine Entwicklung nach den Prinzipien der Permakultur ermöglicht.

(c) pixelio.de tokamuvi

Was ist nun in den letzten Monaten bei der Planung für Pomali passiert?

Nach einer ersten Anstrengung zur Zonierung und Segmentierung durch Franco und mich sind wir ganz einfach in einer landschaftsarchitektonischen Planung “steckengeblieben”. Für die Landschaftsarchitekten und den Bauträger hat sich so ein “normales” Projekt dargestellt und ihr Ruf nach Details und Inputs hat uns angetrieben.

Eine Unterscheidung ist noch wichtig in Bezug auf die permakulturelle Gestaltung.

  • PK-Elemente: Sind einzelne Elemente, die im Rahmen eines Permakultur-Designs so gruppiert werden, dass sie sich gegenseitig unterstützen und somit das System erhalten
  • PK-Design ist ein Gestaltungeprinzip, das Prinzipien der Permakultur, die sehr stark durch Bill Mollison und David Holmgreen sowie zahllose andere geprägt wurden, in einer Planung umsetzt und dazu die einzelne PK-.Elemente miteinander in Beziehung bringt

Soweit vorweg ein paar Gedanken. In einem Email habe ich nun die auftraggebende Gruppe vom Verein “Miteinander Zukunft bauen”, der das Projekt Pomali umsetzt, über meine Gedanken in Kenntnis gesetzt. Die Frage sich dabei stellt ist Folgende:

Wie können wir einen Außenraum planen, der entstehen kann/darf/soll, wenn die Rahmenbedingungen des Auftrags einer klassischen Landschaftsarchitektur entsprechen? Dazu muss ich erwähnen, dass der Verein nur indirekt der Auftraggeber ist. Offiziell ist der Bauträger Auftraggeber der landschaftsarchitektonischen Planung. Zwischen Bauträger und Verein wird ein Übereinkommen ausgearbeitet, das dem Verein weitreichende Bauherrenrechte zugestehen soll. Ein Weg, der schon zeigt, dass auch der Bauträger hier sehr flexibel und offen für neue Ideen ist.

Die vorhin erwähnten Rahmenbedingungen sind in einer sogenannten Bau- und Ausstattungsbeschreibung (BuA) festgeschrieben. Ein Werk, das weitgehend allgemeinen Normen entspricht und somit ein Standardgebäude bzw. einen Standardaußenraum herstellt. Für unsere Zwecke stellt sich dieser Standard als sehr einschränkend dar, denn das Ergebnis dieses Standards ist eine landschaftsarchitektonische Planung, die einer Gewährleistung und Haftung standhält, wie jeder andere Siedlungsfreiraum auch. Natürliche Umgebung kennt dieser Standard nicht. Nicht versiegelte Flächen sind nur auf untergeordneten Flächen und Wegen zulässig. Baumaterialien kommen von offiziellen Anbietern und nicht vom Bauern von nebenan, der gerade ein einsturzgefährdetes Gebäude abgetragen hat. Ein durch eine Ausschreibung gefundener Auftragnehmer (bspw. ein Pflasterer) könnte dafür nie die Haftung übernehmen. Das nur ein paar Beispiele zu nennen.

Es erscheint also sinnvoll zu aller Erst  die BuA und damit auch das Bild vom Freiraum, das der Normalverbraucher und die Fachplaner haben aus den Angeln zu heben und so dem Verein Freiräume zu schaffen. Das geht, meiner Meinung nach, auf 2 Arten:

  1. Eine Vereinbarung mit dem Bauträger, dass die BuA für den Freiraum von Pomali nur in den wichtigsten Punkten (Funktionsfähigkeit und Sicherheit) gilt. Dazu braucht es Garantien, dass der Verein bei einer eventuellen Auflösung  einen Standard-Freiraum herstellen und finanzieren wird. (eine klassische “Was wäre wenn?” – Forderung). Es ist zu hoffen oder fast anzunehmen, dass der Standard in einigen Jahren sich eher unserem Bild eines Aussenraumes annähert, sodass eine Wiederherstellung einfach wäre.
  2. Wir suchen Wege, wie wir das Budget für den Außenraum weitestgehend aus dem Baubudget des Bauträgers herausnehmen und haben damit auch die BuA nicht als Vorgabe. Ob der Bauträger darauf eingeht, weiß ich noch nicht, aber es finden sich Wege.

die Lösung 2 sehe ich für mich als die sinnvollere. Welche Möglichkeiten hätten wir damit.

  • Wir können die Standards und Ausbaustufen als Verein weitestgehend selbst bestimmen.
  • Materialien, Angebote … von uns nahestehenden Personen oder Gelegenheitskäufe können unbürokratisch angefragt werden
  • wir haben viel Entwicklungsspielraum

Was ist noch dazu zu erwähnen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

  • Wir müssen das Geld auftreiben, denn die Finanzierung kann nicht über die Miete ablaufen. Dennoch können wir für uns die gleichen Kosten festlegen, denn das Gesamtbudget muss dadurch ja nicht steigen
  • Eigenarbeit wird erforderlich sein. Möglicherweise auch die eine od. andere Eigenleistung in monetärer Sicht.
  • Wir werden keinen “fertigen” Freiraum haben und es wird Provisorien und Veränderungen geben.

Ich bin schon gespannt, wie für ein derartiges Projekt ein rechtsgültiger Vertrag zustande kommt, der beide Seiten, den Bauträger und den Verein, zufrieden stellt. Es ist für den Bauträger sicher nicht leicht hier neue Wege zu beschreiten, denn auf den ausgetretenen Pfaden lässt es sich durchaus sehr bequem gehen.

Zur Gegenüberstellung von Landschaftsarchitektur und PK-Design möchte ich auch noch ein paar Worte sagen. Als ausgebildeter Landschaftsplaner/-architekt bin ich hier meiner Zunft ja durchaus verbunden. Die Darstellung von mir beruht auf Beobachtungen vieler Projekte in den letzten Jahren, insbesondere Plätzen und Siedlungsfreiräumen. Ich spreche hier ganz bewusst von preisgekrönter klassischer Landschaftsarchitektur. Für mich entwickelt sich diese zunehmend zu einer Design-Disziplin, die Natürlichkeit maximal als ein “schickes Element” einplant. Ich möchte damit nicht werten. Viele der Projekte sehen durchaus schön aus. Mir geht es um die Diskussion zwischen künstlichen und natürlichen Freiräumen. Mir ist dabei auch klar, dass es PlanerInnen gibt, die ganz andere Wege beschreiten und in und mit ihrer Planung langfristige Entwicklungen ermöglichen.

Ich möchte hier keinesfalls von richtiger oder falscher Planung sprechen. Vielmehr geht es mir darum zu zeigen, dass die Rahmenbedingungen für Permakultur-Design insbesondere im öffentlichen bzw. halböffentlichen Bereich nicht sehr günstig und grundsätzlich Projekte nach PK-Prinzipien daher nur durch weitreichende Ausnahmen möglich sind.

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Get Active Jugendforum

Landscaping (AT) - Fr, 07/23/2010 - 07:28

Nachhaltiges Handeln muss “normal” werden … Es sollte nicht mehr gesondert darauf hingewiesen werden, dass etwas bio-öko-sozialgerecht ist, sondern, wenn etwas Gefahren in sich birgt. Nachhaltiges Handeln muss zu Alltagshandeln werden. Wenn man möchte, dass Menschen ihre Gewohnheiten ändern, dann hat man einen langen steinigen Weg vor sich. Doch wenn man von Beginn an zukunftsfähig handelt, dann braucht man später nicht umlernen.

Das Get Active Jugendforum setzt genau dort an. Wenn Kinder und Jugendliche bereits mitbekommen, dass sie Teil der natürlichen Umwelt sind, dann agieren sie auch so.

“Gemeinsam sind sie mehr als nur die Summe der einzelnen Teile. Jede und jeder von uns ist Experte im Bereich „Leben auf dieser Welt“ und gemeinsam verfügen wir über mehr als 1000 Jahre wertvolle und einzigartige Lebenserfahrung.”

Das Jugendforum findet vom 17.-22. August in Eisenerz (Steiermark) statt, eine Stadt, die selbst in den letzten Jahren einen sehr spannenden Wandel durchmacht

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Mit dem Rad zum Konzert

Landscaping (AT) - Do, 07/08/2010 - 14:55

The Ginger Ninjas auf ihrer Tour durch Europa

Dass man mit dem Fahrrad zu einem Konzert fährt ist ja grundsätzlich nichts besonderes … als Zuschauer!

Doch wer kennt schon eine Band, die mit dem Fahrrad zum Konzert fährt. Die ihr Equipment mit dem Fahrrad transportiert und dann noch beim Konzert die Generatoren für das Klangerlebnis mit Fahrrädern antreibt: The Ginger Ninjas

Eine geniale Idee, die in den USA geboren wurde und jetzt auch nach Europa kommt. Mit Ihrer European Bicycle Musical Tour gastieren The Ginger Ninjas am 31.7. in Wien. Wo? … Die Website sagt: “All over Vienna” … Details könnt ihr hier in Kürze lesen. Für München gibt es da schon deutlichere Angaben: 22. und 23.7. bei der Bike Expo.

Die Tour von The Ginger Ninjas trägt ursprünglich den Titel “The Pleasant Revolution” und warum Sie das machen beschreiben sie u.a. so:

We Ginger Ninjas have a different hope, a hope of two-wheeled freedom and radical lifestyle evolution.(ganzer Text)

Diese “andere Hoffnung” kann ich nur teilen. Was Radiohead oder U2 mit einer CO2-neutralen (=kompensierten) Tour begonnen haben setzen Ginger Ninjas konsequent und genial fort.

Ach ja, und bevor ichs vergesse. Die Musik ist zudem noch äußerst hör- und tanzbar. Wir sehen uns beim Konzert … mit dem Bike, eh klar!

UPDATE 2010-07-28: Das Konzert wurde auf den 7.8. 2010 verschoben. Location ist mmer noch nicht bekannt. Das Konzert wird gratis sein, Spenden willkomen!

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Braucht Handlungsfähigkeit einen Rahmen? Neustart Schweiz wird ein Verein.

Nachhaltig beobachtet (CH) - Di, 06/15/2010 - 10:46

Dynamiken in Gruppen sind manchmal schwer zu durchschauen. Mit wenig Erwartungen machte ich mich am Sonntag auf den Weg zum mittlerweilen vierten Neustart Schweiz-Treffen. Ich hatte mir zwar vorgenommen, geduldig zu bleiben, aber mich gefragt, ob aus dem wolkigen Gebilde, dass sich in Form von interessierten Menschen und vielen Ideen um das Konzept gebildet hatte, etwas Konkretes entstehen würde. Anregend waren die Treffen immer und es sind wertvolle Kontakte zu spannenden Leuten entstanden. Emergenz hatte allerdings nicht stattgefunden.

Nach der Vorstellung der Gartenkooperativen ortoloco und Dunkelhölzli, welche im letzten Jahr entstanden sind und für und mit ihren Mitgliedern Gemüse anbauen (siehe auch Regionale Vertragslandwirtschaft) und der Besichtigung der Anbaufläche des einen Projektes auf dem gastgebenden Hof, sassen wir in der grossen Runde. Nach verschiedenen Wortmeldungen zu demokratischer Wirtschaft und einem nachhaltigen, vereinfachten Lebensstil stand dann die Frage im Raum, wie man politisch Wirkung erzielen kann. Anwesende mit entsprechenden Kontakten und Erfahrungen machten deutlich, dass "PolitikerInnen gezwungen werden wollen", etwas zu tun. Es ist ja demokratische Binsenwahrheit, dass diese Vertreter einer Gruppe von Menschen mit gleichen Interessen sind. Und von diesen wieder gewählt werden, wenn sie sich gut vertreten fühlen.

Wenn sich diese Einzelnen organisieren, dann kann die Wirkung verstärkt werden. Ich bin davon ausgegangen, dass dies in unserer Netzwerkgesellschaft (sind wir das?) "unorganisiert" passieren kann, aber für diese Art von Arbeit braucht es weniger eine Masse (Crowd) als eine Gemeinschaft (Community). Nicht nur einen rechtlichen Rahmen, sondern auch ein identitätsstiftendes Gefäss?

Der Vorschlag, einen Verein zu gründen, ist - und das hat mich erstaunt - auf offene Ohren gestossen. Für mich waren wir kurz vor dem Ende eines Versuches, aus einem vielversprechenden Entwurf etwas Anfassbares zu gestalten. Und dann haben wenige Sätze etwas bewirkt, das die Energie in der Gruppe komplett geändert hat. Nicht nur haben mehr als die Hälfte der Teilnehmer zum Ausdruck gebracht, dass sie beitreten, sondern es gab auch mehrere konkrete Angebote zur Übernahme von Aufgaben.

Quelle: TED

Das macht mich einerseits froh, weil Neustart Schweiz Potential hat (nicht nur in der Schweiz übrigens, wie auch das treue Grüppchen aus Freiburg DE beweist). Andererseits bin ich bewusst seit Jahren in keinem Verein mehr. Die "Kosten" der Art und Weise, wie in traditionellen, langjährigen Vereinen gearbeitet wird, sind mir meistens zu hoch. Allerdings ist das wahrscheinlich eher ein Charakteristikum jeglicher Institutionalisierung und Organisation, welche erstarrt, weil die Strukturen nicht lebendig bleiben.

Quelle: TED

Wenn wir es also schaffen, die Organisation, welches es braucht, um den Vereins-Rahmen zu schaffen und erhalten, möglichst schlank zu halten und auf der anderen Seite Koordination und Kollaboration unter den Mitgliedern zu maximieren (System vs. Organismus, ganz unten), damit möglichst ein grosser Anteil der Ressourcen für die Erreichung der Ziele eingesetzt werden können, dann freue ich mich auf meine neue Vereinsmitgleidschaft. Die Gründungsversammlung findet übrigens am 24. August in Olten statt. Via Newsletter, welcher hier abonniert werden kann, wird über das weitere Vorgehen informiert.

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Die Medien werden darüber nicht schreiben

Landscaping (AT) - Mo, 06/14/2010 - 10:28

(c) momosu | Pixelio

Wir wissen alles, was in der Welt passiert, oder? Die Medien lassen keine Katastrophe aus. Man muss dafür noch nicht einmal einen Fernseher besitzen oder eine Zeitung kaufen. In Wien genügt die Fahrt mit einem öffentlichen Verkehrsmittel und man wird von 2 Gratisblättern österreichbekannter Boulvardzeitungen überschwemmt mit bluttriefenden Taten aus aller Welt und nächster Umgebung. Es entgeht uns nichts …. oder doch? Schon einmal von Joanna Macy gehört, von Tiefenökologie und dem großen Wandel.

Letzte Woche nahm ich mit der ganzen Familie an der Konferenz “Inseln im Chaos” des Holon-Instituts in Lindenberg im Allgäu teil um Joanna Macy und ihre Message zu hören und zu fühlen, was derzeit wirklich in der Welt passiert. “Die Medien werden nicht darüber berichten!”, waren einige ihrer ersten Worte. Damit hat sie nicht die Konferenz selbst gemeint. So etwas ist nicht sensationell genug für unsere “Qualitätsmedien”. Ist auch nicht wichtig. Wichtiger und für Medien dennoch genau so uninteressant wie die Konferenz ist aber das Thema das Joanna Macy als die dritte große Revolution der Menschheit bezeichnet: Nach der Sesshaftwerdung in der Steinzeit und der industriellen Revolution, stehen wir nun vor einer Weiteren. Einer bei der es um unser eigenes Überleben geht, der ökologischen oder Nachhaltigkeitsrevolution. OK, jetzt werden sich einige denken, nicht schon wieder das. Das ist doch nichts neues und nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Die Welt wird schon nicht untergehen und wir schrauben eh schon ein bisschen hier und da herum. “Des wiad schon wida! Keine Panik!”, blablabla,… Doch Joanna Macy bringt es auf den Punkt, worum es geht. Auch mit dem Herumschrauben bleibt ein Paradigma unhinterfragt: Wachstum. Der Beginn der großen Krise ist kaum 2 Jahre her und schon wird wieder vom nötigen Wirtschaftswachstum geredet, ohne dem nichts geht. Die Wahlen zumindest im deutschsprachigen Raum aber auch in England und vielen anderen Ländern werden von Konservativen, liberalen oder gar Rechtsaussen Parteien gewonnen, weil Sozialisten und Linke nichts, aber auch gar nichts anzubieten haben (zumindest in Österreich). “Wachstum in einem System (unsrer Welt), das nicht wächst kann nicht funktionieren. Das versteht ein Kind spätestens mit 8 Jahren.”, so Joanna Macy weiter. Einen einzigen Faktor als Maßstab für das Funktionieren eines Systems zu wählen und diesen dann auch noch konstant wachsen sehen zu wollen, kann nur zum Kollaps führen. Namhafte Ökonomen nennen dieses System daher schon Selbstmordsystem.  Doch die Medien werden das nie schreiben. Damit kann man kein Geld verdienen.

Doch der große Wandel ist im Gange. Alle, die hier hergekommen sind (immerhin 190 Menschen allen Alters) wissen und spüren das. Der große Wandel hin zu einem lebenserhaltenden System. Dieser Wandel sei begleitet von einer großen Unsicherheit, so Joanna Macy, Doch diese Unsicherheit führt dazu, dass wir zu unseren besten Eigenschaften, zu einer großen Stärke finden. Wer ist schon motiviert, wenn er/sie hört: “Es wird alles gut werden! Mach dir bloß keine Sorgen!”? Engagement wird dadurch nicht gefördert. man lehnt sich zurück und lässt sich berieseln. Und genau das machen sie dann alle, Medien, Politik und Wirtschaft; “… die Lösung ist so einfach, überlasst nur uns das Suchen danach!”

Der Große Wandel” (The great Turning) begleitet uns die ganze Woche. Doch nicht nur dieser. Es wird auch deutlich, dass der große Wandel, die “dritte Revolution” eines Systems begleitet wird von einem gewaltigen Zusammenbruch. Eine erste Ahnung davon haben wir mit der Finanz- und Wirtschaftskrise bereits mitbekommen.

Diese “Vorhersagen” hören sich für einige nun vielleicht wie ein Wetterbericht oder die Prophezeiungen eines Sektenführers an :-) und sind schwer fassbar oder führen einfach zu belächelnden Reaktionen über “ewig Gestrige”. “Mach dir darüber blos keine Gedanken. Es wird schon nicht so schlimm!” … Diese Sorge geht jedoch in Lindenberg keineswegs um. Niemand hier glaubt an Weltuntergang oder dergleichen. Ganz im Gegenteil werden wir dafür sensibilisiert, dass wir den Niedergang des alten Systems begleiten und es behutsam zu einem Ende führen müssen. Denn die kommende oder im Gange befindende Revolution substituiert das alte System nicht einfach. Es wird Veränderungen geben, die manche nicht einfach mitgehen können/wollen, weil sie ihr Weltbild einfach nicht fassen kann, sie dadurch große Verluste vermuten. Diese Menschen, dieses System muss begleitet und behutsam und langsam zu einem guten Ende gebracht bzw. ins neue System übergeführt werden. Gleichzeitig muss natürlich das neue System aufgebaut werden und wir sind schon mitten drin, auch wenn wir es vielleicht nicht wahrnehmen.
3 Dimensionen sind es dabei, die wir betrachten müssen:

  1. Aktionen setzen
  2. Neue Strukturen/Wege aufbauen und beschreiten
  3. Bewusstseinsänderung

1. Aktionen setzen
Diese Dimension hat mich sehr stark an die Diskussion über Ökos 1.0 und Ökos 2.0 erinnert. Aktionen/Protest/Demos beurteilen viele als nicht mehr zielführend. Demos, Besetzungen und dgl. werden als veraltet bezeichnet und nicht selten belächelt. Gerade diese Aktionen sind aber sehr wichtig. Nicht nur sind sie es, die es tatsächlich immer wieder in die Medien schaffen, sondern sie sorgen auch für die Erhaltung vieler Ökosysteme oder Strukturen und geben den Menschen ein Gesicht, die nicht mit deren Zerstörung einverstanden sind. Wir können sie erhaltende Aktionen nennen. Es braucht dazu keine neuen Medien oder Techniken. Ein Gefahrenguttransport, der bereits auf dem Weg ist, wird immer noch am besten gestoppt indem man Straßen blockiert und sich an Fahrzeuge kettet. Eine Facebook-Gruppe oder Barcamps können das nicht bewirken. Sie können helfen zu mobilisieren oder die Leute zusammenzubringen um innovative Ideen zu entwickeln. Zum Verhindern braucht es aber Gesichter und Taten. Die “alten Hippies” der Öko 1.0 Szene und alle, die ihnen gefolgt sind methodisch und inhaltlich, sind dafür genau die Richtigen.

2. Neue Strukturen und Wege
Dazu gibt es zahllose Beispiele. Insbesondere, wenn man unternehmerische Aktivitäten oder Technologien betrachtet. Dünn wird es in der Politik oder in der Wirtschaft, also auf den höheren Ebenen. Neue Wege und Strukturen bedürfen aber genau dieser Änderungen. Es braucht dazu große Vordenker und längere Perspektiven. Quartalsberichte und ein denken in Funktionsperioden gefährden derartige Visionen und führen zu kurzfristigen Lösungsansätzen wie sie im Jahr 2008/09 zahllos angeboten wurden.

3. Bewusstseinsänderung
Diese ist einerseits die Basis für neue Strukturen und Wege, andererseits aber auch die Garantie für eine dauerhafte Veränderung. Es muss möglich sein neue Gewohnheiten zu etablieren, nachhaltiges Handeln muss der Normalzustand sein. Es darf keine Anstrengungen hervorrufen, die Menschen nicht zu “Sonderlingen” oder “Linken” machen. Jeder Einkauf, jede Urlaubsreise muss automatisch CO2 neutral und fair sein, ohne dass man sich dafür extra engagieren muss.
Gleichzeitig muss aber auch im Bewusstsein der Menschen verankert sein, dass wir nur auf einer Welt leben, dass Ressourcen endlich sind und irgendwann Menschen nicht mehr unter Ausbeutung und Androhung von Gewalt für andere arbeiten müssen. JedeR, der/die diesen Schritt schon gegangen ist, weiß, dass auf der anderen Seite des Berges genauso ein gutes Leben, Genuss und Freude warten.

Joanna Macy beschreibt in ihrem Ansatz 4 Schritte, die wir in einer Spirale immer wieder durchschreiten müssen. Die Konferenz “Inseln im Chaos” orientiert sich demnach auch an diesen Schritten:

1. Dankbarkeit
2. Den Schmerz um die Erde (und deren Zerstörung) ehren
3. Die Welt mit anderen Augen sehen (“Deep Time”)
4. Weitergehen

Insbesondere die ersten beiden Schritte sind diejenigen, die in unsrer heutigen Gesellschaft am wenigsten beachtet bzw. praktiziert werden. Ja, wir lernen unseren Kindern bereits in frühesten Jahren immer “schön bitte und danke” zu sagen. Doch wozu sagen sie bitte und danke. Zu Dingen und Aktionen, die sie von anderen Menschen bekommen. Nicht selten sind das Dinge, die eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollten, wie Essen und Trinken und nicht selten Danken sie damit Menschen, die ihnen eigentlich verpflichtet sind oder hierarchisch überlegen fühlen bzw. auftreten. Ganz anders wird diese Dankbarkeit im Buddhismus oder in verschiedenen indigenen Kulturen praktiziert. Genau um diese Dankbarkeit geht es dann auch bei Joanna Macy, um die Dankbarkeit an allem Leben das uns umgibt und das unser Leben überhaupt erst ermöglicht. Auch viele andere Religionen praktizieren diese Dankbarkeit und uns ist vermutlich das Beten bspw. vor dem Essen am nächsten (wenngleich man hier immer häufiger ein Bitten oder gar ein Fordern nach mehr hört).

“Den Schmerz um die Welt ehren” hingegen ist eine Praxis, die bei uns keinerlei Tradition hat. gerade in dieser Praxis habe ich bei dieser Konferenz aber die meiste Kraft geschöpft. Eine Übung, die uns dazu angeboten wurde ist ein “Wahrheits-Mandala”. Bei diesem gehen die TeilnehmerInnen nacheinander in die Mitte des Kreises und lassen ihrem Schmerz freien Lauf. Wut, Angst, Ohnmacht, Sorge und Trauer bekommen so Raum und eine Stimme. Die anderen TeilnehmerInnen, die im Kreis rundum sitzen oder stehen hören zu und bilden durch ihre Anwesenheit einen Kessel, der diesen Schmerz hält. JedeR TeilnehmerIn wird so gehalten und am Ende durch die Worte “Wir hören dich!” oder “Wir sind bei dir!” gestärkt. Dieser Ausdruck des Schmerzes, den wir alle in uns tragen, ist unglaublich kraftvoll und geht sehr tief. Leider gibt es viel zu wenige Möglichkeiten ihm in derartiger Umgebung den gebührenden Platz zu geben.

Das Thema Tiefenökologie ist tief in mich eingedrungen. Es fügt sich wie ein fehlendes Puzzleteil an einer wichtigen Stelle in ein Bild ein, das vor meinen Augen seit einiger Zeit entsteht. Es zeigt mir auch, dass ich noch immer auf einer Reise in einem Labyrinth bin dessen Mitte ich noch nicht kenne, die ich aber mit größter Freude und der Gewissheit, dass ich irgendwann ankommen werde, ansteuere. Mit Joanna Macy habe ich auf dieser Reise nun eine Begleiterin, die viel Kraft Klarheit gibt.

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Auf in die Post-Kollaps-Gesellschaft

Nachhaltig beobachtet (CH) - Di, 06/08/2010 - 11:19

Mit dem gleichnamigen Artikel (PDF) knüpft Johannes Heimrath in der letzten Ausgabe von Oya an die letzten Beiträge hier an ("Warum komplexe Systeme zerstört werden", "Den Wikingern ihre Kühe"). Stark finde ich die Grafik, welche man sich am besten in Gross anschaut.

Quelle: Johannes Heimrath, aus "Oya – anders denken.anders leben" (Lizenz: CC BY SA)

Trotz obiger Prognose, welche er auf Grund ähnlicher Beobachtungen wie Jared Diamon ausstellt, mit dem tiefen Taucher in der Mitte (über dessen Tiefe und Zeitpunkt des Eintretens man anderer Ansicht sein kann) hält er eine andere Welt - nachhaltig und friedlich - für möglich.

Er stellt sich auf den Standpunkt, dass der Fall tief und hart sein wird und _muss_. Ansonsten werden wir weiterhin am Bestehenden, Nicht-Reparierbaren rumflicken, anstatt Nicht-Funktionierendes wegzuwerfen. Allerdings hält er die Wahrscheinlichkeit für klein, dass nach einem solchen Kollaps "die Millionen kulturkreativer engagierter Menschen weltweit ihre Vision der Post-Kollaps-Gesellschaft realisieren können".

Das Beste hoffen und sich auf Schlimmste vorbereiten? Erste Voraussetzung für das Schaffen von etwas Neuem, Besseren sind Visionen (auch wenn diese auch schon als Grund für einen Arztbesuch bezeichnet worden sind). Wo werden wir hinwollen dürfen müssen?  Was sind die Voraussetzungen dafür? Noch haben wir Zeit, um weitere "Halbinseln des guten Lebens" zu schaffen und bestehende zu vergrössern. Aber wie gross ist überhaupt das Bewusstsein, dass es diese braucht?

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Reich genug

Nachhaltig beobachtet (CH) - Fr, 06/04/2010 - 10:47

"Die Menschheit ist reich genug, die notwendigen Dinge so zu produzieren, dass wir alle gut leben können, und zwar nach dem folgenden Prinzip: wir nehmen uns das, was andere geschaffen haben und sie haben es aus keinem anderen Grund geschaffen, als dass sie es schaffen wollen, weil ihre individuelle Selbstentfaltung darin besteht, Dinge in die Welt zu setzen - Gedanken, Tassen, Computer, Käsekuchen, Gemälde oder was auch immer."

Stefan Meretz (keimform.de) in einem Artikel in Oya 01

Sätze wie diese lassen mich - entgegen meiner eher pessimistischen Sicht in der letzten Zeit - hoffen. Und sie berühren. Weil sie weit über die rationale Wirklichkeit des Alltags hinaus gehen und eine Vision ansprechen. Welche ich teile.

Auch ich habe keinen Mangel. Es wird mir immer mal wieder bewusst, dass dies in erster Linie eine Einstellung und weniger eine Frage des (vermeintlichen) Besitzes ist.

Nicht zuletzt deswegen ist der gesamte Inhalt dieses Blogs jetzt Gemeingut. Jeder kann machen damit, was er möchte. Auch Geld verdienen. Es wird mich nicht ärmer machen.

[Nachtrag]

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Den Wikingern ihre Kühe II

Nachhaltig beobachtet (CH) - Do, 06/03/2010 - 12:40

Im ersten Teil von "Kollaps - Warum Gesellschaften überleben oder untergehen" hat sich Jared Diamond mit der Frage beschäftigt, warum es Gesellschaften in Vergangenheit und Gegenwart gelungen ist, ihre ökologischen Probleme in den Griff zu bekommen (siehe "Den Wikingern ihre Kühe"). Der letzte Teil des Buches befasst sich mit der praktischen Bedeutung dieser Erkenntnis.

Schwierigkeiten

Was sind die schwersten ökologischen Probleme von früheren und heutigen Gesellschaften:

  1. Wir verwandeln immer schneller unberührte, natürliche Lebensräume in kultivierte, auf Menschen zugeschnittene. Diese Umwandlung, z.B. Waldzerstörung, war ein wichtiger - manchmal sogar der entscheidende - Faktor beim Zusammenbruch von vergangenen Gesellschaften. Die natürlichen Lebensräume sind Basis alles Lebens auf der Erde sowie unserer Zivilisation und erbringen zudem dreiviertel der Leistung (als primary economy nach John Michael Greer), welche wir wirtschaftlich nutzen (Pflanzenwachstum, saubere Luft und Wasser, erneuerbare Ressourcen, ...).
  2. "Wilde" Lebensmittel stellen einen beträchtlichen Anteil der von Menschen verbrauchten Proteinmenge dar, vor allem Fische und Meerestiere, aber auch anderes Wild. Viele dieser Bestände werden heute übernutzt und stehen in abnehmendem Masse zur Verfügung. Zuchten verschlimmern häufig das Problem, weil zum Beispiel Fische in Aquakulturen mit gefangenem Wildfisch gefüttert werden. Mit dem x-fachen von dem, was sie an Fleisch liefern.
  3. Viele Tier- und Pflanzenarten sind durch menschliche Tätigkeit bereits verloren und die Biodiversität nimmt weiter ab. Um bestimmte grosse Arten bemühen wir uns zwar (siehe z.B. rote Listen), wenn auch mit zweifelhaftem Erfolg. Viele verschwinden aber im Verborgenen. Jede von ihnen hatte einen Platz und Funktion in natürlichen Kreisläufen. Die Folgen können wir nicht abschätzen, aber sie werden früher oder später auf die eine oder andere Weise zu Tage treten.
  4. Die Humusschichten, Basis des Nutzpflanzenanbaus, werden durch Überbauung, Erosion und industrielle Landwirtschaft zerstört. Wie Waldzerstörung haben auch Bodenprobleme zum Zusammenbruch aller früheren Gesellschaften beigetragen.
  5. Die Kosten zur Gewinnung der wichtigsten Primärenergieträger der Industrieländer (Öl, Erdgas, Kohle) werden zunehmen, weil die noch vorhandenen Reserven immer aufwändiger erschlossen werden müssen.
  6. Der grösste Teil des an der Oberfläche vorhandenen Süsswassers wird bereits heute genutzt (Bewässerung, Industrie, Haushalte, Fischerei, Verkehr). Das Grundwasser wird praktische weltweit übernutzt, die Pegel sinken. Bereits heute haben über eine Milliarde Menschen keine zuverlässige, saubere Trinkwasserversorgung.
  7. Die Photosynthese-Kapazität ist begrenzt. Sie beschreibt das Vermögen von Pflanzen, mit Hilfe von Wärme und Wasser Sonnenlicht in chemische Energie umzuwandeln. Heute wird von Menschen die Hälfte davon genutzt.
  8. Gewollt oder ungewollt setzt die Menschheit chemische Stoffe frei, welche natürliche Kreisläufe beeinflussen resp. schädigen. Luft-, Boden- und Wasserverschmutzung sind Anreicherungen von künstlichen (oder auch natürlichen) Substanzen, welche giftige oder andere, z.B. hormonaktive, Wirkung haben.
  9. Fremde biologische, d.h. im ursprünglichen Ökosystem nicht vorkommende, Arten können verheerende Schäden anrichten.
  10. Durch menschliche Tätigkeit entstehen Gase, welche in die Atmosphäre entweichen und dort aktiv werden (Ozonschichtabbau und Treibhauseffekt). Wieviel von der Klimaerwärmung menschengemacht ist, drüber kann man sich streiten. Fakt ist, dass sich das Klima ändert und dies verschiedene Auswirkungen hat.
  11. Die Weltbevölkerung nimmt zu und auf Grund des demografischen Überganges ist eine Stabilisierung in den nächsten Jahrzehnten nicht zu erwarten.
  12. Entscheidend ist nicht alleine die Zahl der Menschen, sondern ihre Auswirkungen auf die Umwelt. Ziel der Bevölkerung der meisten Länder ist der westliche Lebenstandard, welcher bekanntlich bei weitem nicht tragbar ist für die Erde.

Diese 12 Problemkomplexe hängen natürlich alle zusammen. Ein Problem verschärft das andere und macht die Lösung schwieriger. Wir sind weit davon entfernt, aktiv auch nur eines davon zu lösen, aber sie werden auf jeden Fall auf die eine oder andere Art gelöst werden. Und laut Diamond ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass dies noch zu Lebzeiten unserer Kinder und jungen Erwachsenen geschehen wird.

Die Frage ist: wird es eine selbstgewählte, mehr oder weniger angenehme Lösung sein wird oder eine, welche nicht unseren Entscheidungen entspringt, höchstwahrschienlich für die meisten Menschen unangenehm sein wird und über Kriege, Völkermorde, Hungersnöte, Epidemien und schliesslich dem teilweisen oder kompletten Zusammenbruch von Gesellschaften herbeigeführt wird? All dies ist nichts Neues und immer wieder vorgekommen in der Menscheitsgeschichte.

Wir können noch

Alles hoffnungslos also? Nein, durchaus nicht. Wir stehen zwar schwerwiegenden Problemen gegenüber, aber es gibt Unterschiede zur Vergangenheit, welche uns helfen können, einen sanften Übergang in eine post-fossile, relokalisierte, nachhaltige Gesellschaft zu schaffen:

  • Die meisten Schwierigkeiten sind hausgemacht und noch nicht so gross, dass wir sie nicht mehr lösen können. Wir brauchen keine neuen Technologien, sondern "nur" den kollektiven Willen, vorhandene Ansätze umzusetzen.
  • Das globale Bewusstsein beginnt, sich zu wandeln: die Endlichkeit der fossilen Brennstoffe und das sich ändernde Klima zum Beispiel werden nicht mehr angezweifelt. Oder auch nachhaltigere Produktionsweisen entfalten langsam breitenwirkung (Bio, Fairtrade, FSC, ...).
  • Das Wissen um die ökologischen Zusammenhänge ist so gross wie noch nie in der Geschichte der menschlichen Zivilisation.
  • Mit der Globalisierung sind auch weltweite Vernetzungsmöglichkeiten entstanden, was Transparenz fördert und Einflussmöglichkeiten von nicht-staatlichen und nicht-wirtschaftlichen Organisationen (alias Zivilgesellschaft) stärkt.

Wann müssen wir welche Entscheidungen treffen, um die Erde als intaktes Ökosystem und Lebensgrundlage zu erhalten?

  1. Langfristig denken und mutige, weitsichtige Entscheidungen zu einem Zeitpunkt treffen, wenn Probleme bereits spürbar sind, aber noch keine krisenhaften Ausmasse erreicht haben. Dies muss auf allen Ebenen passieren: individuell, nachbarschaftlich, territorial, kontinental, global (um einmal die postnationalstaatlichen Begriffe von "Neustart" zu verwenden).
  2. Schmerzliche Entscheidungen über Wertvorstellungen treffen. Und hier sind wir wieder bei den titelgebenden Wikingern angelangt: welche liebgewordenen Werte müssen wir über Bord werfen, weil sie unter veränderten Bedingungen keinen Sinn mehr machen? Die Wikinger haben an ihren Kühen festgehalten, obwohl diese für das Ökosystem in Grönland nicht tragbar waren. Sie weigerten sich, einen Teil ihrer Identität als europäische, christliche, bäuerliche Gesellschaft abzulegen und gingen daran zugrunde. Sind es andererseits 200m2 beheizte Wohnfläche, tägliches Fleisch auf dem Teller und motorisierter Indivudualverkehr wert, alles aufs Spiel zu setzen?

Natürlich wissen wir das alles. Wann aber führt dieses Wissen zu Entscheidungen und Handlungen? Darüber später mehr.

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Fundsachen [1021]

Nachhaltig beobachtet (CH) - Do, 05/27/2010 - 10:08
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Den Wikingern ihre Kühe

Nachhaltig beobachtet (CH) - Do, 05/06/2010 - 12:55

Bin ich ein Doomer? Wenn man in den Artikel der letzten Wochen und Monate zwischen den Zeilen liest (oder auch nicht so dazwischen), dann könnte ebendieser Eindruck entstehen. Tatsächlich denke ich, dass wir vor dem Ende der Welt stehen, welche wir gekannt haben (was - nur so nebenbei - aber schon an jedem einzelnen Tag seit Anbeginn der Fall war).

Jared Diamond war vor fünf Jahren in "Kollaps - Warum Gesellschaften überleben oder untergehen" noch vorsichtig optimistisch, heute lässt sich zumindest gefühlt eine seiner Beobachtungen bestätigen: das Wachstum sowohl ökologischer Probleme als auch dem Bewusstsein dafür ist exponentiell und es ist immer noch nicht klar, wer das Rennen gewinnen wird. Als einer der wichtigsten Unterschiede zu früheren Zivilisationen schaut er die positiven Seiten der Globalisierung an: die weltweite Vernetzung ermöglicht praktische grenzenlosen und verzögerungsfreien Austausch von Informationen. Niemand wird den letzten Baum fällen und dann sagen können, er habe gemeint, dass die Wälder auf der anderen Seite noch existieren. Und wir können auf noch nie dagewesenes historisches Material zurückgreifen und aus der Geschichte lernen.

Probleme können also im globalen Rahmen erkannt - zum Beispiel im Weltagrarbericht - und gelöst werden (um den inneren Zyniker zufriedenzustellen, aber trotzdem in gewaltfreier Sprache zu bleiben: ersters ist weit fortgeschritten, in zweiterem haben wir noch grosses Potential). Angesichts der letzten Anstrengungen resp. dem Resultat dieser Anstrengungen gibt es zumindest berechtigte Zweifel an der globalen Handlungsfähigkeit. Aber dies ist aus meiner Sicht nur eine Frage der Zeit. Beziehungsweise des Leidensdrucks.

Was zum Zusammenbruch führen kann
Diamond hat die Geschichte von verschiedene Gesellschaften in der Vergangenheit und Gegenwart untersucht und fünf Faktoren beobachtet, welche über das Fortbestehen einer Gesellschaft entscheiden:

  1. Umweltschäden: Störung von natürlichen Kreisläufen, Übernutzung von Ressourcen
  2. Klimaveränderungen: die lokalen und globalen Klimaverhältnisse haben sich immer verändert, unter natürlichem und menschlichem Einfluss
  3. feindliche Nachbarn: das Aufrechterhalten einer gewissen Wehrhaftigkeit, Auf-Distanz-halten oder gar gewaltsame Auseinandersetzungen binden und verschleissen Mittel, welche dann anderweitig nicht mehr zur Verfügung stehen
  4. freundliche Handelspartner: (lebens)wichtige Rohstoffe und Produkte, über welche man nicht selber verfügt oder produzieren kann, machen abhängig
  5. die Reaktion der Gesellschaft auf Veränderungen

Quelle: Wikimedia Commons

Wie relevant die einzelnen Faktoren sind hängt natürlich immer von den Gegebenheiten ab: ist man auf einer Insel zu Hause (wie zum Beispiel die Polynesier auf der Osterinsel), dann haben 3 und 4 keine Bedeutung. Auch 1 oder 2 sind unter Umständen zu vernachlässigen. Einzig Faktor 5, die Reaktion einer Gesellschaft auf Veränderungen spielt immer.

Bei allen Gesellschaften, welche Diamond untersucht hat, waren Umweltschäden am Zusammenbruch massgeblich beteiligt, aber nie einziger Grund. Die Frage ist, warum es Gesellschaften zulassen, dass es durch fehlerhafte Bewirtschaftung der ökologischen Ressourcen zum Zusammenbruch kommen kann. Die Antwort ist einfach: Entscheidungsprozesse versagen. Warum?

  1. Ein Problem wird unter Umständen nicht vorausgesehen, bevor es tatsächlich da ist. Zum Beispiel die Konsequenzen aus dem Einführen von nichtlokaler Flora oder Fauna oder neuen Technologien.
  2. Ein Problem wird nicht wahrgenommen, wenn es bereits eingetreten ist. Bestimmte Dinge entziehen sich der menschlichen Wahrnehmung, weil sie in kleinster oder riesiger Dimension geschehen oder zeitlich schnell oder langsam passieren.
  3. Wenn es wahrgenommen wird, dann wird nicht versucht, es zu lösen. Vernünftige Überlegungen können dazu führen, dass in einem Kontext Nutzen entsteht, andere aber schädigt. Dort, wo Schaden entsteht, ist aber niemand, welcher sich dagegen wehrt oder der Einfluss ist zu klein. Anders ausgedrückt: rationales, für die Gesellschaft negatives oder egoistisch Verhalten. Beispiel ist die Tragik der Allmende.
  4. Ein Lösung gelingt unter Umstände nicht. Vielleicht reichen die Fähigkeiten oder Ressourcen nicht aus, die Lösung ist nicht bezahlbar oder die Bemühungen sind zu spät oder zu schwach.

Einen Punkt möchte ich noch hinzufügen:

  1. Die Lösung verursacht weitere, eventuell noch grössere Probleme. Das schliesst den Kreis zu Punkt 1. Und denjenigen zu den komplexen System, welche zwingend komplexer werden.

Diamond verteufelt übrigens Unternehmen und Konzerne nicht, da er anerkennt, dass sie gemäss ihrem Wesen handeln (rational, ohne Ethik oder Moral, gewinnorientiert). Wenn die Wirtschaft negative Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft hat, dann ist es Aufgabe der Gesellschaft, einen entsprechenden Rahmen vorzugeben.

Der Beitrag "Den Wikingern ihre Kühe II" beleuchtet die Faktoren, welche über den Untergang oder das Fortbestehen einer Gesellschaft entscheiden.

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Basic aber nicht logisch ökologisch

Landscaping (AT) - Fr, 04/23/2010 - 11:29

Zahnseite in Glasflacon von Vömel

Mit Freude habe ich heute bei Basic in Wien eine Zahnseide in einem Glasflacon von Vömel (leider ist die Webpräsenz auf www.voemel.de noch nicht gestaltet) gefunden. Natürlich war mein Gedanke gleich, dass dadurch in Zukunft Verpackungsmaterial gespart werden kann. Da ich keine Nachfüllpackung gesehen habe, fragte ich eine der Verkäuferinnen im Lokal. Die Antwort war kurz und bündig: “Nein, so etwas gibt es nicht!”

Als ökologisch denkender Mensch erschien es mir nicht logisch, dass jemand, der ein Produkt in einem Glasflacon anbietet, das einfach zu öffnen ist, dies ohne einer Nachfüllmöglichkeit tut. Daher habe ich recherchiert und bin tatsächlich auf eine Nachfüllpackung bei einem Online-Versand gekommen.

Ökologisch scheint noch immer nicht auch logisch zu bedeueten und biologisch hat mit ökologisch immer weniger zu tun, wie ich bereits 2008 auf der Biofach erfahren konnte. Dazu kommt, dass mir bei Basic schon öfter aufgefallen ist, dass das Personal sehr unterschiedlich sensibel und informiert auf Fragen eingeht (z.B. die Rückmeldung von einem deutschen Mitarbeiter (ohne hier verallgemeinern zu wollen) auf die Frage, wieso es keinen Schnittlauch aus Österreich gibt: ” Das Zeuch aus Österreich kann man ja nich essen!” Kommt net guat an!!). Eine Antwort von basic habe ich noch nie erhalten. Auch diesmal habe ich wieder eine Anfrage geschickt. Vielleicht lockt ja der Link zu diesem Artikel zu einer Antwort ;-)

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Kollektive Handlungsfähigkeit und andere Erkenntnisse

Nachhaltig beobachtet (CH) - Mi, 04/07/2010 - 03:37

Ist Open Space einer geeigneter Veranstaltungsrahmen, um als Gruppe Resultate zu erreichen? Trotz scheinbarer Ziellosigkeit und inhaltlicher Offenheit (zumindest zu Beginn) denke ich, ja. Ich kenne kein anderes Format, welches administrativ so schlank Menschen mit ihren Interessen und der jeweiligen Bereitschaft, sich einzubringen, abholt. Ein Rahmen, welcher Partizipation unterstützt, aber nicht erzwingt.

Ich gebe aber trotzdem zu, dass ich nach dem Neustart Schweiz-Treffen vom vorletzten Sonntag langsam etwas ungeduldig werde: wann passiert endlich etwas Konkretes? Dabei muss ich mir allerdings wieder zwei Dinge vor Augen halten:

  1. Es geschieht bereits was: Treffen werden organisiert (das nächste am 13. Juni), Übersetzungen gemacht (z.B. hier eine französische Zusammenfassung), Buch-Rezensionen und Kommentare geschrieben. Und die Zahl der Interessierten und Unterstützer wächst: über 100 Personen erhalten den Newsletter, gut 60 sind auf der Plattform registrierte Mitglieder und an den bisherigen drei Treffen haben ca. 80 Menschen teilgenommen. Trotz wolkiger Konsistenz (ein Rahmen für Kollaboration?) wird Neustart Schweiz Potential zugetraut.
  2. Damit ein aus einem Netzwerk bestehenden Kollektiv handlungsfähig wird, braucht es eine gemeinsame Basis: Vertrauen und freiwillige Einigung auf Ziele. Dies entsteht nicht über Nacht, sondern ist ein Prozess, welcher Zeit braucht. Und obwohl wir alle persönliche Autonomie hochalten (natürlich, wir sind ja Kinder des Individualismus-Zeitalters), scheint langsam auch wieder eine grössere Bereitschaft zu entstehen, eigene Interessen für das Gemeinwohl zurückzustellen.

Eine gemeinsame Erklärung einer der Gruppen, welche sich formiert hatte, kam der Handlungsfähigkeit trotz der Umstände - die meisten haben sich noch nie gesehen und die zur Verfügung stehende Zeit war knapp - doch schon recht nahe.

Nebst der wieder gemachten Erfahrung, dass die Welt zwar gross, aber gleichzeit auch sehr klein ist, nehme ich ein paar Erkenntnisse aus den Diskussionen mit:

  • Geld wird zwar für viele der Probleme, welche wir heute haben, verantwortlich gemacht, kann aber auch eine eine wichtige Funktion erfüllen: es schafft Bewusstsein. So attraktiv die Ideen von geldfreien Lebens- und Wirtschaftsräumen sind, so wenig würden sie heute funktionieren - aus meiner Sicht. Wenn wir nämlich in einem gut sind, dann ist es das Vergessen. Jede Leistung, jedes Schaffen und Erschaffen "kostet": Zeit, Energie, Material. Wenn wir davon profitieren (ohne entsprechendes Bewusstsein), dann wird diese Tatsache sehr bald unserer Aufmerksamkeit entgleiten. Übernutzung (wenn im Überfluss vorhanden) oder Missbrauch ist dann nicht weit. Der Preis von Produkten oder Leistungen ist ein anderes Paar Schuh ...
  • Handlungsangebote sind besser als Versuche, auf Bewusstseins-Änderungen hinzuwirken. Letzteres müssen Menschen immer selber vollziehen. Natürlich braucht es dazu Information, Erkenntnisse und Erfahrungen, welche vernmittelt werden sollen. Aber das äusserliche Einwirken auf andere endet oft in nutzlosen Diskussionen, Manipulation oder Machausübung. Viel gesünder ist es, die Menschen dort abzuholen, wo sie stehen und ihnen neue Erfahrungen zu ermöglichen.
  • Die entscheidende Frage, ob ein System dauerhaft existieren kann oder nicht (also nachhaltig ist), ist: wird mehr produziert, als hineingegeben wird? Falls nein, wird das System über länger nicht überleben. Das gilt sowohl für menschliche Gemeinschaften als auch für andere Systeme.
  • Wir kämen besser mit der Realität zu Rande, wenn wir komplexe Zusammenhänge (diese Definition ist auch hübsch) nicht als System, sondern als Organismus verstehen würden. Systeme sind statisch, Organismen leben und verändern sich. Nichts von dem, was sich beobachten lässt, ist statisch (wie wir z.B. beim Klima feststellen können) und wir kämen viel besser zurecht, wenn uns dies bewusst wäre. Alles verändert sich. Immer.
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Warum komplexe Systeme zerstört werden

Nachhaltig beobachtet (CH) - Mo, 03/22/2010 - 11:54

Systemtheoretiker mögen die folgenden Aussagen wiederlegen, aber mir erscheinen die Argumente in "Why the demise of civilisation may be inevitable" (leider nicht im Volltext) schlüssig: jedes komplexe, lebende System wird früher oder später zerstört respektive zerstört sich selber. Es scheint ein natürliches Prinzip zu sein, dass jede Lebensform sich entwickelt, d.h. versucht, sich bestmöglich an die Umstände anzupassen. Dies erhöht allerdings die Komplexität und damit wachsende Spezialisierung, erhöhter Ressorcen- und Energieverbrauch, verstärkte Vernetzung und Abhängigkeiten. Je höher die Komplexität, desto höher die "Kosten", um diese aufrecht zu erhalten.

Quelle: Wikimedia Commons

Und erhöhte Komplexität verursacht auch neue Probleme, deren Lösung wiederum in erhöhter Komplexität resultieren. Und immer so weiter, bis der Ressorcen- und Energieverbrauch nicht mehr weiter gesteigert werden können und man nur noch den Status Quo halten kann.

Alles schön und gut, keine Probleme soweit, oder? Spannend wird es, wenn von aussen ins System einwirkende Eregnisse auftreten. Solange noch Raum für Verbesserungen und Weiterentwicklung vorhanden sind (Reserven), können diese mehr oder weniger gut aufgefangen und "gelöst" werden. Je näher man der maximalen Entwicklungsstufe ist, desto weniger gross ist die Reserve, um auf von aussen kommende Einflüsse reagieren zu können. Und erhöhte Komplexität heisst auch immer erhöhte Verletzlichkeit.

Soviel zur Theorie. Buzz Holling, einer der Väter der Ökologische Ökonomie, hat die Resilienz von natürlichen Systemen untersucht und in Studien festgestellt, dass sich Hochentwicklung und Zusammenbruch komplexer Systeme auch dort beobachten lässt. In einem wachsenden Stück Wald zum Beispiel spezialisieren sich Arten (sowohl Tiere als auch Pflanzen) und haben so einen Vorteil gegenüber weniger spezialisierte Arten. Daraus entsteht ein immer starreres und enger gekoppeltes System. Die Arten passen sich optimal an die Verhältnisse an. Wenn die Rahmenbedingungen sich allerdings ändern - eine neue Insektenart wandert ein, ein Waldbrand oder eine Überflutung tritt auf- , dann bricht das System zusammen und wird durch ein einfacheres mit weniger spezialisierten Arten ersetzt. Und erneut tritt der Kreislauf in Gang.

Quelle: Wikimedia Commons

Ein anderes Beispiel ist die Fauna im Erdmittelalter: Dinosaurier waren hochspezialisierte Arten, welche allerdings einem Meteoriteneinschlag auf der Erde und/oder gesteigertem Vulkanismus nichts entgegensetzen konnten. Praktische alle Arten der Gruppe starben aus und einfachere Arten breiteten sich aus.

WTF? Kommen wir also endlich zum Weltuntergang. Respektive dem Untergang der Industriezivilisation. Die Umgebung, in der wir Menschen heute leben, kann wohl mit Recht als eines der komplexesten Systeme angeschaut werden, welche je auf der Erde existiert haben. In den letzten Jahrzehnten ist die Komplexität förmlich explodiert: immer stärker beschleunigte, globale Waren-, Informations- und Energieströme koppeln Elemente im System immer enger und stärker.

Dass wir womöglich die Grenze der maximalen Komplexität nahezu erreicht haben, zeigen verschiedene Indizien: die Kosten, um das System am Laufen zu halten, sind mit den nutz- und ausbeutbaren Ressourcen und Energiequellen gerade noch tragbar. Selbst verursachte Störungen haben kontinentale oder weltweite Auswirkungen (Finanzkrise, Blackouts, absurde Verschuldung grosser Organisationseinheiten verbunden mit zunehmder Handlungsunfähigkeit, etc.). Zudem zerstören wir unsere Lebensgrundlage durch ökologisches Missmanagement: die Böden laugen aus und werden zu Wüsten, die Meere verschmutzen und sind zunehmend leerer, ... Die Geschichte von den Maya bis den Sumerern zeigt, dass dies schon fast alleine für den Untergang einer Zivilisation reicht.

Blöderweise können wir nicht bremsen und den Status Quo einfrieren, weil das System so angelegt ist, dass es wachsen muss (Bevölkerungsgrösse, kapitalistische Wirtschaft, individuelle und kollektive Erwartungshaltung bezüglich Bedürfnisbefriedigung, ...). Der Dampfer wird noch lange in die falsche Richtung fahren, auch wenn wir das Steuer herumgerissen haben.

Und nochmal blöderweise basiert das System auf nicht-erneuerbaren Ressourcen und Energiequellen, das heisst, der Aufwand um diese zu gewinnen, steigt ständig und gleichzeitig nimmt der Vorrat ab. Und aller guten Dinge sind drei: das uns umgebende System ist nicht konstant, wie wir gerade erstaunt feststellen, sondern verändert sich. Womöglich und sogar wahrscheinlich, weil wir es beeinflussen. Und haut in immer kürzeren Abständen mit dem grossen Hammer an die Käseglocke unseres Systems, unter der wir uns vermeintlich befinden. Die Frage ist, wer das Rennen gewinnt: die steigende Komplexität oder die Grösse des Ereignisses von aussen.

Ich glaube nicht, dass wir mit einem Knall untergehen werden (auch wenn Katastrophen nicht zwingend Chaos bedeuten müssen). Vielmehr wird der Abstieg schleichend vonstatten gehen. Wie die Geschichte auch zeigt, ist der Untergang einer Zivilisation nicht das Ende der Welt. Je schneller wir es schaffen, die Komplexität des Systems herunterfahren, desto kleiner die "Anpassungsschmerzen".

Optionen haben wir. Auch gibt es noch immer Zivilisationsformen (wenn wir auch eifrig an deren Auslöschung arbeiten), welche sich problemlos nachhaltig in einer post-fossilen Welt behaupten können. Und wir haben eine kommende barbarische Generation, welche die aktuelle Zivilasation sowieso zerstören will: the greatest threat yet to capitalist civilization.

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Wie aus Ökostrom Erdgas wird

Öko Blogger - So, 03/21/2010 - 10:30

Wie der FOCUS berichtet ist es einer Forschergruppe des Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung (ZSW) in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut IWES und einer österreichische Firma Solar Fuel gelungen ein Verfahren zu entwickeln, womit Ökostrom gespeichert werden kann.

In Stuttgart steht bereits eine Demonstrationsanlage in der das Verfahren weiter erforscht wird. Um Ökostrom in Erdgas zu verwandeln wird zunächst das Wasser per Elektrolyse in Wasserstoff und Sauerstoff verwandelt. Danach entsteht aus Wasserstoff und Kohlendioxyd Methan.

Weitere Anlagen mit 10 bis 20 Megawatt Speicherkapazität sind bereits für Mitte 2012 geplant. Über die Energieeffizienz ist bisher nichts bekannt.

Quelle: Focus.de

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Weitgereiste Tacos

Nachhaltig beobachtet (CH) - Fr, 03/19/2010 - 08:00

Nicht nur deutsche Joghurts, sondern auch die Bestandteile amerikanischer Tacos reisen weit:

Quelle: GOOD

Irrsinnige Schöne Welt globalisierter Warenströme.

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Wild, nicht warm

Nachhaltig beobachtet (CH) - Mi, 03/17/2010 - 12:54

Während wir einfachen Gemüter nach den beiden letzten (gefühlten) langen und kalten Wintern die Klimaerwärmung nicht mehr verstehen und uns von der Vorstellung von tropischen Verhältnissen in Kontinentaleuropa verabschieden, ist dieser Hinweis auf die Auswirkung von steigenden Temperaturunterschieden nützlich: wir werden in Zukunft nicht primär wärmeres Wetter bekommen, sondern unerwartete und zerstörende Wetterereignisse nehmen zu. Und dem begegnen wir nicht, indem wir ein bisschen am System flicken (weniger Verbrauch am Eingang, weniger Emmissionen am Ausgang), sondern indem wir uns anders organisieren:

Resilienz; die Kapazität eines Systems, Störungen zu absorbieren und sich während Veränderungen neu zu organisieren

Aber das eigentliche Thema in "An Exergy Crisis" ist nicht das sich ändernde Klima. Sondern Exergie, welche - je mehr erneurbare Energiequellen erschlossen und die fossilen teurer werden resp. abnehmen - zum einem der nächsten Themen werden wird: die Energiekonzentration oder der Teil der Energie, welcher sich nutzen lässt. Beispiel: wohl liefert die Sonne insgesamt mehr Energie als wir momentan verbrauchen, aber nur ein Teil davon lässt dafür verwenden, wofür wir Energie brauchen. Unsere Gesellschaft und Wirtschaft basiert auf hochkonzentrierten Energieformen wie Erdöl, man halte sich nur mal das Transportwesen vor Augen. Dieses auf Sonnenenergie umstellen?

Wenn also diese hochkonzentrierten Energieformen rarer werden, werden wir entweder hochkonzentrieren müssen (was im grossen Stil nachhaltig eher nicht möglich sein wird) oder unseren Lebensstil auf das ausrichten, was die natürlichen Kreisläufe zur Verfügung stellen: Biomasse, Sonne, Wind, Wasser(bewegung). Und menschliche und tierische Arbeitskraft.

Aus der Sicht von uns Industrienationen-Bewohnern, welche Milch und Eier im Supermarkt holen und einmal im Jahr den Tanklaster mit Öl vorfahren lassen, hat dies einen romantischen Anstrich. Mittelaltermärkte und -feste finden nicht umsonst verstärkt Anklang. In der Realität bedeutet dies aber - nebst all den schönen Aspekten körperlicher Tätigkeit - Schweiss und Blut. Wie ich beim Bereitstellen des Stückholzvorrates für zwei Winter, das wir zur Erzeugung von Warmwasser und Heizwärme brauchen (trotz Sonne), wieder einmal feststellen konnte. Am Abend ist man müde, was nicht zuletzt die ganze Online-Welt wieder einmal an die richtige Position setzt: weit hinter all das, was uns hilft, unsere (Grund-)Bedürfnisse zu decken.

Werden wir freiwillig wieder mehr physische Arbeit leisten? Nicht alle sind sind diesbezüglich positiv, in der Geschichte war dies ein "Privileg" Angehöriger niedriger gesellschaftlicher Schichten, aber solange dies mehr mit Freude als Mühsal verbunden ist, könnte es eine Zeit lang funktionieren. Ansonsten werden uns die Umstände zwingen. Mit den warmen Häusern und gefüllten Läden können wir es im Moment noch entspannt angehen.

Ein Weg für Menschen ohne eigene Möglichkeiten zur Lebensgrundlagen schaffenden Betätigungen könnten zum Beispiel freiwillige Einsätze in der eigenen Lebensmittelproduktion leisten. Und natürlich noch vieles anderes ...

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Gründer-Award 2010

Vital Genuss - Sa, 03/06/2010 - 12:09
Gründer von öko-sozialen Firmen aufgepasst! KarmaKonsum.de sucht bereits zum zweiten Mal ein junges Unternehmen, welches den Gründer-Award gewinnen will. Jetzt mitmachen beim Award 2010!
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Donnerstagslinks #85

Vital Genuss - Do, 02/25/2010 - 12:42
Die Donnerstagslinks, Ausgabe 85. Mit Kaffee und Gespenstern, LOHAS in Wiesbaden, Tod des Hummers, Orangen versorgen iPhone und die Zukunft von Biomarken...
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Biofach 2010: Bloggertreffen

Vital Genuss - Mo, 02/22/2010 - 20:43
Zur Biofach 2010 fand wieder das Bloggertreffen der Nachhaltigkeitsblogs statt. Bereits zum dritten Mal trafen sich verschiedene Blogschreiber aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz. Eindrücke und Bilder gibt es hier...
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Donnerstagslink #84

Vital Genuss - Mi, 02/03/2010 - 21:34
Die Donnerstagslinks, Ausgabe 84. Heute mit einer Menschenkette gegen Atomkraft, Seafood für Veganer, freiwillig im Sweatshop arbeiten, Phishing mit CO2 Zertifikaten und dem GEZ-Blog...
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